Grabmal und Grabsteine

Grabmale und Grabsteine in der Armsheimer Kirche

Eine Reihe von erhaltenen Grabsteinen zeigt, dass sich auch in dieser Kirche Gräber befinden, wie es allgemein üblich war. Dabei war der Chor des Gotteshauses zumeist Stiftern, Kirchenherren und Erbauern der jeweiligen Kirche vorbehalten.

 

Grabplatte von Pfarrer Konrad Oedenkemmer, aus Biebelnheim

Konarad Oedenkemmer, Bibeelnheim;  Pfarrer während der Bauzeit der Kirche

Konarad Oedenkemmer, Biebelnheim;
Pfarrer während der Bauzeit der Kirche
Fotografie: Dr. Wolfgang Bickel

Die Grabplatte Konrad von Oedenkemmer befindet sich im Chor, weil er während der Erbauung Inhaber der Pfarrstelle war. Er ist mit den Zeichen seines Priesteramtes dargestellt. Als nach der Einführung der Reformation im Jahre 1565 alle Dokumente die an das religiöse Leben der Vergangenheit erinnerten, zerstört wurden, schlug man ihm das Gesicht, den Kelch und die Stola ab. Auch von einer anderen Platte eines Priestergrabes im Chorfußboden wurde der Kelch abgemeißelt. Sie gehört eigentlich nicht in den Chor, wurde aber als Bodenplatte bei einer Renovierung dorthin gelegt.

Das Wappen der Puller von Hohenburg …

Wappen der Familie von Hohehnburg Fotografie: Dr. Wolfganhg Bickel

Wappen der Familie von Hohehnburg
Fotografie: Dr. Wolfganhg Bickel

und ein 2011 gelüftetes Geheimnis

Zu den wenigen aus der Erbauungszeit erhaltenen Ausstattungsstücken gehört diese Platte mit dem Wappen der Puller von Hohenburg. Es ist eine aufwendige Terrakotta-Arbeit. Die Platte wird allgemein in die vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts datiert.
Dies war die Zeit der Vollendung des Chorbaues und dem Ausbau Armsheims zur Festung des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Die Puller von Hohenburg gehörten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu den einflussreichen Familien des unteren Elsass.
Als Träger des Namens Puller von Hohenburg begegnen uns in dieser Zeit der alte Wirich ll., geboren vor 1384, gestorben 1454, seine Kinder Wirich III., Else und Richard, sowie die Töchter Wirichs III. Margarete und Gertrud.

Während der Pfälzischen Fehde befand sich Wirich III. bei der Belagerung des pfalzzweibrückischen Bergzabern durch Friedrich l. mit seinen Reisigen in der Stadt, doch gelang ihnen in der Nacht vor der Übergabe am 14. August 1455 die Flucht. Folgt man einer Nachricht der Flersheimer Chronik, dann wurde Wirich III. zu Armsheim uff dem Gau in Diensten Herzog Ludwig des Schwarzen im Feld erschossen. Er sei damals der Pfalz feind gewesen.

Alles deutet darauf hin, dass die Anbringung im Zusammenhang mit der Verbindung Wirichs III. mit dem Herzog Ludwig dem Schwarzen von Pfalz-Zweibrücken erfolgte, zumal Wirich III. in Diensten Ludwigs des Schwarzen zu Armsheim im Feld erschossen worden war. wo Wirich III. begraben wurde, ist nicht bekannt.

Was den Tod im Feld betrifft, so scheint es keine weiteren Nachrichten zu geben – es sei denn, eine örtliche Überlieferung geht auf ihn zurück. Es gab in der Gemarkung ein Steinkreuz, dessen Bezeichnung sich in dem Flurnamen „Am Schwarzen Kreuz“ erhalten hat. Über den Anlass der Aufstellung und die Gestaltung ist nichts mehr bekannt. Der Gemarkungsname könnte eine Spur zum Schicksal Wirichs III. sein. Wie auch immer: dass eine Wappenplatte der Puller von Hohenburg im Chor angebracht wurde, ist ein Hinweis auf den Rang dieser Kirche in der politischen und religiösen Landschaft des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. (Text: Dr. Wolfgang Bickel)

Grabplatten der Stifter

Die Stifter Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Die Stifter
Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Im Langhaus sind Siefried von Löwenstein und seine Ehefrau Margarete von Heppenheim begraben. Ihre Grabmäler wurden bei einer Renovierung vor der Vermauerung des alten Nordportals aufgestellt. Der Inschrift nach war Siegfried als Vertreter des Kirchenherrn, des Grafen von Veldenz, für den Kirchenbau zuständig.

Verschiedene Priester-Grabplatten

Grabmal ursprünglich auf Boden verlegt Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Grabmal ursprünglich auf Boden verlegt
Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Grabmal unter dem Emporenaufgang Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Grabmal unter dem Emporenaufgang aus dem Jahre 1597
Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Grabmal Priester mit Kelch Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Grabmal Priester mit Kelch
Foto: Dr. Wolfgang Bickel

Drei weitere Steine weisen auf die Gräber von Priestern hin. Aber die Steine wurden bei Renovierungsarbeiten willkürlich angebracht oder verlegt; sie sind sicher alle am falschen Platz. Einem sieht man an, dass er einst auf Fußbodenniveau lag.

Grabplatten werden Bodenbelag

Grabplatten auf dem Boden verlegt im Turmraum Foto. Dr. Wolfgang Bickel

Grabplatten auf dem Boden verlegt im Turmraum
Foto. Dr. Wolfgang Bickel

Auch in der Turmhalle befinden sich Grabplatten. Sie liegen nicht nur am falschen Platz, denn hier wurde nicht begraben. Sie liegen auch alle verdreht: Da bei mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gräbern der Tote immer mit dem Kopf nach Westen, also mit dem Blick nach Osten liegt, kann man an der Lage der Platten erkennen, dass sie nachträglich hierher geschafft wurden.