Die Stummorgel

Überblick über die Geschichte der Bornheimer Stummorgel

 

Stummorgel Bornheim

Der folgende Text gibt einen Überblick über die Geschichte unserer Bornheimer Orgel und entstand 1983, als anlässlich des 240-jährigen Bestehens unserer Orgel und des 300. Geburtstages des Erbauers, Johann Michael Stumm, ein Orgelkonzert in der Bornheimer Kirche stattfand.

Aus dem Jahre 1743

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde die Bornheimer Orgel in Jahre 1743 von Johann Michael Stumm und dessen Söhnen aus Rhaunen-Sulzbach erbaut. Dieser Familienbetrieb war über sechs Generationen tätig und hat in dieser Zeit etwa 330 Orgeln errichtet, von denen noch ein großer Teil erhalten ist. In den 200 Jahren ihrer Tätigkeit haben die Stumms eine einzigartige Orgellandschaft geprägt. Schon zu damaliger Zeit reichte ihr Ruhm weit über die Grenzen ihres Wirkungsraumes hinaus. Ihr handwerkliches und künstlerisches Können war unübertroffen. Trotz der Verbreitung ihrer Orgeln waren die Stumms keineswegs billig; die Bornheimer Orgel dürfte ca. 400 Gulden gekostet haben. Man kannte die Qualität der Werke und war bereit, für ein Instrument aus der Hand eines Meisters auch einen höheren Preis zu bezahlen.

Hälfte der Kosten durch die Rhein- und Wilfgrafen

Die Hälfte der Anschaffungskosten finanzierten in Bornheim wohl die Rhein- und Wildgrafen, was aus einem Rechnungsbeleg des Amtes Flonheim von 1747 hervorgeht. Andere Belege aus dem Erbauungsjahr sind leider nicht mehr vorhanden. Dennoch war es leicht, das genaue Alter unserer Orgel zu bestimmen. Die größte Pfeife der Flöte hat im Fuß die Gravur „Freimersheim“, im Körper „Bornheim“. Das heißt, die Freimersheimer und die Bornheimer Orgeln wurden zur gleichen Zeit hergestellt und beim Zusammenlöten der Pfeifen wurden versehentlich Teile vertauscht. Für Freimersheim ist das Herstellungsjahr 1743 belegt. Dies dürfte denn auch für Bornheim zutreffen.
Einen weiteren Hinweis bieten Kalenderblätter, die zum Abdichten der gedeckten Metallpfeifen dienen. Sie stammen von 1742. Dies weist ebenfalls auf das Herstellungsdatum 1743 hin. Das heutige Instrument scheint Bornheims erste Orgel zu sein. Aus dem 17. Jahrhundert gibt es keine Hinweise, weder dass ein Organist und Balgtreter besoldet, noch dass irgendwelche Reparaturen ausgeführt wurden.
Im Jahr 1689 wurde das Kirchenschiff von den Franzosen niedergebrannt. Der Gottesdienst musste dann fast 40 Jahre in der Sakristei und dem zugemauerten Chor abgehalten worden. Für eine Orgel war hier kein Platz vorhanden, ja die Besucher mussten sogar oft im Freien stehen, um den Gottesdienst verfolgen zu können. Als dann 1727 die neue Kirche fertiggestellt war, fehlte das Geld für eine Orgelanschaffung.

Anstoss durch Pfarrer Friedrich Jakob Fliedner

Im Jahre 1742 trat endlich ein neuer Pfarrer seinen Dienst in Bornheim an. Es war Friedrich Jakob Fliedner, ein Kantorsohn aus Worms, der zuvor vier Jahre als Lehrer in Alzey tätig war und dort auch sicher den Organistendienst ausübte. Von ihm kam wohl der entscheidende Anstoß zur Orgelanschaffung. Er kannte schon die großen Stumm-Orgeln aus den evangelischen Kirchen von Alzey, Flonheim und Armsheim und wusste sicher, dass die Stumms in der katholischen Kirche von Alzey bald ein neues Werk errichten wollten. Diese Orgel wurde im November 1743 fertiggestellt. Es ist anzunehmen, dass die Stumms zur gleichen Zeit auch in der Bornheimer und Freimersheimer Kirche tätig waren.
Bis zum Jahre 1917 blieb unsere Orgel unverändert erhalten. Lediglich kleine Reparaturen waren nötig, die von Orgelbauer Landelt und dessen Enkel Karl Forster aus Alzey bzw. Heimersheim ausgeführt wurden. Sie alle haben sich mit Namen und Jahreszahl im Innern des Gehäuses verewigt.

1. Weltkrieg: freiwillige Pfeifenabgabe für Volk und Vaterland

Der 1. Weltkrieg brachte dann große Verluste für das Instrument. Die Kirchengemeinde wurde zwar von der Pfeifenabgabe befreit, dennoch lieferte man freiwillig die Register „Trompete discant“ und „Salicional“ ab. Die zehn größten Pfeifen der Trompete hatten zwar schon vorher gefehlt, die restlichen waren wohl stark reparaturbedürftig und für das Register „Salicional“ fehlte zu dieser Zeit jedes Verständnis. Immerhin ist es durch die Initiative von Pfarrer Mischlich gelungen, die kostbaren Prospektpfeifen vor dem Einschmelzen zu bewahren.
Den 2. Weltkrieg überstand die Bornheimer Orgel ohne Verluste. Die Gemeinde lieferte die beiden neuen Glocken für Rüstungszwecke ab, die Prospektpfeifen aus Zinn waren wieder gerettet.

Restaurierungen nach dem 2. Weltkrieg

Im Jahre 1966 reparierte Ernst Förster aus Heimersheim zum letzten Mal. Jahrelang arbeitete der Holzwurm unbemerkt und Anfang der 80er Jahre wurde der Zustand unhaltbar. Ein Ton nach dem anderen fiel aus, die Tasten lösten sich in Holzmehl auf und etliche Ventile wurden undicht. Eine grundlegende Renovierung wurde unumgänglich.
Diese Arbeit führte Orgelbaumeister Andreas Ott aus Bensheim durch. Dabei wurden die Pfeifen, Windlade und Traktur ausgebaut und in der Werkstatt gründlich überholt. Alle Pfeifen, insgesamt 496 Stück, wurden gereinigt, ausgebeult und – wenn nötig – neu verlötet, die schadhaften Holzteile wurden ausgebessert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die beiden fehlenden Register nach alten Vorbildern wieder ergänzt. Leider wurde versäumt bei dieser Gelegenheit dem Gehäuse eine günstigere Farbfassung zu geben. Dennoch haben die Bornheimer heute eine praktisch neuwertige Orgel, die bei entsprechender Pflege noch viele Jahrzehnte, vielleicht auch Jahrhunderte, ihren Dienst erfüllen wird. (Text: Walter Schmitt, Bornheim)

Die Disposition:

Manual C, D – c“

Principal (4′)
Hohlpfeiff (8′)
Quint (2 2/3′),
Salicinal (2’/4′) neu
Floet (4′)
Octav (2′) c‘ – c“‘ neu
Mixtur (1′, 3-fach)
Trompett bass
Trompett discant (8′)neu
Tramulant

Pedal C, D – d

Subbaß (16′).