Die Inneneinrichtung

Die Inneneinrichtung

Zerstörender Brand von 1690

Durch den Brand von 1690 sind keine Ausstattungsgegenstände mehr erhalten. Es gab starke Verzögerungen beim Neubau, der Gottesdienst musste zuerst in Turm und Sakristei gehalten werden. Der Chorbogen wurde verschlossen, die Wand zwischen Chor und Sakristei herausgebrochen, um einen größeren Raum zu erhalten. Diese Änderungen mussten beim Neubau 1727 wieder rückgängig gemacht werden. Schon 1713 baute man eine neue Kanzel auf, sie wurde später in die neue Kirche übernommen.
An der ursprünglichen Einrichtung wurden später einige Veränderungen vorgenommen. Um 1743 baute man eine Orgel ein, sie steht auf zwei Holzsäulen vor der westlichen Empore, da auf dieser nur Platz für das Gebläse war. Auch mögen akustische Gründe für diese Lösung ausschlaggebend gewesen sein.
Durch die zwei nachträglich aufgestellten Säulen war man gezwungen, zwei Bankreihen schräg aufzustellen, was auf einem Plan von 1911 ersichtlich ist.
Die Holzeinrichtung war damals schon mit einer Farbfassung versehen, Spuren an der Orgel deuten auf ein helles Braun hin. 1912 wurden dann größere Umbaumaßnahmen in Angriff genommen. Die Emporenbrüstung rechts der Orgel wurde vorgezogen, dass jetzt eine einheitliche Front entstand.

1912: Pfarrstuhl wird Gartenhaus und mittelalterliche Malereien entdeckt

Der Pfarrstuhl, der sich vorher an der südlichen Wand neben der Kanzel befand, wurde entfernt, er diente über Jahre im Pfarrgarten als Gartenhaus.
An seine Stelle kamen neue, verkürzte Bänke, um dem steigenden Sitzplatzbedarf Rechnung zu tragen. Die Kanzel wurde umgebaut, der Aufgang war jetzt nicht mehr rechts entlang der südlichen Außenwand, er wurde links in die Ecke neben den Chorbogen verlegt. Außerdem wurde die gesamte Einrichtung mit einer neuen Farbfassung versehen, ein dunkles Blau mit aufgemalten Ornamenten im Stil der Bauernmalerei. Im Chor legte man die mittelalterlichen Fresken frei und die Sakristei wurde mit zwei Türen aus Eichenholz versehen. Pfarrer Mischlich stiftete einen neuen Altar, der alte wurde im Garten aufgestellt. Insgesamt können die Renovierungsmaßnahmen als gelungen betrachtet werden, bei der Erneuerung wurde sehr einfühlsam mit der alten Substanz umgegangen.

1954: Hühnertränke wird (wieder) zum Taufstein

Der Innenraum blieb bis 1954 unverändert, dann war eine Erneuerung erforderlich. Die Einrichtung wurde, dem Zeitgeschmack entsprechend, in einem helleren Blau gehalten, die Bauernmalerei verschwand unter einer neuen Farbschicht. Die beschädigten mittelalterlichen Malereien im Sockelbereich des Chores wurden wieder mit Farbe zugedeckt, die vier Apostel blieben erhalten. An der Einrichtung wurden keine Änderungen vorgenommen. Der mittelalterliche Taufstein, der bisher als Hühnertränke diente, wurde auf neuem gemauerten Sockel in der Kirche aufgestellt.

1977: Bequemere Sitzbänke

1977 erfolgte dann die vorerst letzte Innenrenovierung. Das Gestühl war unbequem geworden, Bodenfeuchtigkeit hatte die Standfestigkeit beeinträchtigt, die Bankheizung das Holz geschädigt, auch der Holzwurm war in den letzten Jahren tätig gewesen. Also entschloss man sich neue, bequemere Sitzbänke aufzustellen. Die Seitenwangen wurden nach altem Vorbild gefertigt. Die Kirche wurde wieder neu ausgemalt, man hatte wieder mehr Mut zur Farbe. Die ehemals vergoldeten Schnitzereien der Orgel strahlen jetzt in leuchtendem Orange.
Die wichtigste Baumaßnahme aber war die Sicherung der südlichen Giebelwand und die Erneuerung der Elektroinstallation.
Der kulturhistorisch wertvollste Ausstattungsgegenstand der Bornheimer Kirche ist, neben der alten Glocke, sicher die Stumm-Orgel aus dem Jahre 1743, die fast unverändert die Jahrhunderte überstanden hat. Bei der nächsten Renovierung des Kircheninnenraumes, die sicher auch mit einer Reinigung des Orgelwerkes verbunden werden muss, sollte man sich überlegen, ob man die Farbfassung des Orgelprospektes nicht etwas ansprechender gestaltet. So waren die Schnitzereien früher üblicherweise vergoldet und für die schöne Gehäusegestaltung in dunkler Eiche war ursprünglich sicher kein Farbanstrich vorgesehen. Eine schon lange fällige gründliche Überholung des Orgelwerkes konnte erst 1980 in Angriff genommen werden.

Inventarverzeichnis kirchlichen Kunstguts von 1911

Im Inventarverzeichnis von 1911 werden noch folgende Wertgegenstände aus Zinn, um 1750 entstanden, aufgezählt: Taufschüssel, Taufkanne, Abendmahlkanne, Abendmahlbecher, Brotteller. Diese Gegenstände existieren noch zum Teil, nur scheint das Alter nicht korrekt angegeben zu sein. Gegossen wurden die Teile von dem Zinngießer Leonhard Finck aus Mainz. Leonard Finck der Ältere wirkte ab 1785 in Mainz, sein Sohn Leonhard Finck der Jüngere betrieb das Geschäft bis ca. 1835. Unklar ist, ob der Vater oder der Sohn diese Arbeiten ausführte. Das vorhandene Zinngeschirr scheint wohl vom Anfang des 19. Jahrhunderts zu stammen. Teller und Kanne sind heute noch in Gebrauch. Leider wurde der schöne Brotteller bei einem Reinigungsversuch mit grober Stahlwolle stark in Mitleidenschaft gezogen, man ahnt nur noch die feine Ausführung der Arbeit.

Fund alter Feuerlöscheimer

Vor einigen Jahren wurden bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden der Kirche etliche Feuerlöscheimer aus Leder gefunden. Sie stammen wohl auch vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie sind teilweise mit dem Monogramm des Besitzers beschriftet und tragen den Ortsnamen. Da die Teile stark beschädigt waren, wurden sie dem Alzeyer Museum übergeben, vielleicht ergibt sich dort einmal die Möglichkeit, die Eimer instand zu setzen und eventuell auszustellen.

1988: Außenrenovierung

Die 1998 erfolgte Außenrenovierung der Bornheimer Kirche war sicher notwendig geworden, um den Bestand des Gebäudes bis auf weiteres zu sichern. Die Kirchenverwaltung, Architekt und Gemeinde haben dabei keine Kosten gescheut und viel Geschmack und Sachverstand bei der Durchführung der Arbeiten bewiesen.
Unsere Kirche gehört sicher nicht zu den herausragenden Baudenkmälern dieser Region, ist aber typisch für eine Dorfkirche mit ihrer bewegten Vergangenheit und zeigt, dass die christliche Kirche in unserer Gemeinde immer eine wesentliche Rolle gespielt hatte. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch weiterhin so bleibt, die äußeren Voraussetzungen sind geschaffen und jetzt gesichert.
Auch bleibt zu wünschen, dass die Gemeinde bei der nächsten Instandsetzung des Kircheninnern genau so viel Geschmack und Einfühlungsvermögen zeigt, so wie dies bei der Außenrenovierung geschehen ist und was man teilweise bei früheren Reparaturarbeiten vermissen musste. (Text: Walter Schmitt, Bornheim)

Quellen:
1. Brilmayer, Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, 1905
2. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, 1972
3. Ev. Pfarrarchiv Bornheim: 1927 wurde von Oberkirchenrat Zentgraf diese Vermutung geäußert. Siehe auch: Alzeyer Geschichtsblätter, Heft 19, 1985 „Die älteste Glocke in Rheinhessen“ vom gleichen Verfasser
4. Hans Hauburger, Festschrift zum 125. Jubiläum des MGV 1848 Bornheim aus dem Jahre 1973