Die Armsheimer Stummorgel von 1739

Der Baumeister Johann Michael Stumm (1683-1747)

Johann michael Stumm aus rauen Sulßbach

Johann michael Stumm
von raunen Sulzbach

Der Begründer der berühmten Orgelbauerfamilie wurde im Jahre 1683 als Sohn des Schmieds Christian Stumm im Hunsrückdorf Rhaunen-Sulzbach geboren. Er erlernte zunächst den gleichen Beruf wie Vater und Bruder spezialisierte sich jedoch auf einer Wanderschaft bis 1701 zum Goldschmied. 1706 soll er in Kirn bei einer Verlosung eine kleine Hausorgel mit vier Registern gewonnen haben. Als diese unbrauchbar wurde, erprobte er sein Talent an ihrer Wiederherstellung. Dabei hatte er Spaß am Orgelbau gefunden und ging erneut in die Lehre. Bei seiner Heimkehr im Jahre 1710 war er wohl schon Geselle, denn als er das nächste Mal zurückkehrt, ist er Meister. In der Folgezeit musste er seinen Lebensunterhalt weiter als Landwirt und Goldschmied verdienen, denn trotz des Titels ,,Orgelbaumeister“, reichte es nicht zum Haupterwerb. Zunächst wagte er sich an den Positiv-Bau (kleine Orgeln ohne Pedal), denn noch fehlte eine richtige Werkstatt. Dabei half ihm sein Bruder. Zinn und Blei goss man selbst; Pfeifen mussten vorgefertigt, abgestimmt und auch das Orgelgehäuse hergestellt werden.
Als 1. Dokument der Tätigkeit von J. M. Stumm gilt der Vertrag von l7l7 für Kirchberg. Es wurde ein einmanualiges Instrument mit l4 Registern: leider ist es verschollen. Es folgten Bauten in Münstermaifeld (bereits zweimanualig) und in Rhaunen. 1727 setzt. Johann Michael Stumm ein zweimanualiges Werk in die ev. Kirche zu Flonheim. Dieses schöne Instrument verbrannte im Jahr 1876 mit der Kirche. Sein erstes dreimanualiges Werk baute er 1728 in die Stiftskirche St. Castor zu Karden. Damit wurde er bekannt und die Achtung vor dem Meister wuchs. Mit dieser Orgel kann man des Meisters Studienzeit als abgeschlossen annehmen, da jetzt drei Modelle vorlagen, die den Orgelbau der Familie Stumm für die folgenden Generationen prägten: die einmanualige Dorforgel, die hauptsächlich zum Begleiten Gemeindegesangs bestimmt war. Die zweimanualige Prunkorgel und für besonders hohe Anspruche die dreimanualigen Werke.
Etwa ab 1730 begann eine rege Bautätigkeit, die Johann Michael Stumm auch nach Armsheim führte.
Nach seinem Tod im Jahre 1747 führten seine Sohne das Familienunternehmen weiter. Über sechs Generationen hinweg wurden in Rhaunen-Sulzbach Orgeln gebaut, die noch heute Zeugnis ablegen von der Kunstfertigkeit ihrer Erbauer. (Text: Kantor Rainer Groß)

Die Armsheimer Orgel

Fotografie: Elfriede Bendler

Fotografie: Elfriede Bendler

Die Orgel der ehemaligen Wallfahrtskirche in Armsheim ist ein Werk des Orgelbauers Johann Michael Stumm unter Mitarbeit seiner beiden Söhne aus dem Jahr 1739. Ein erster Kontakt zwischen Gemeinde und Orgelbauer ist möglicherweise über den Orgelneubau in Flonheim entstanden. Die Anordnung der Registerzüge und andere technische Details lassen vermuten, dass die Orgel ursprünglich als einmanualiges Werk mit angehängtem Pedal geplant war. Die Erweiterung um Rückpositiv und eigenständigen Subbass muss noch während der Aufstellung des Instruments erfolgt sein.
Die Vergoldung der Schnitzereien und die Verzierung der Labien der größeren Pfeifen geschah 1760 auf Veranlassung des damaligen Pfarrers. Für 1840 ist eine umfängliche Reparatur dokumentiert. Umbaupläne aus derselben Zeit kamen nicht zur Ausführung. Erst 1953 wurde ein elektrisches Gebläse eingebaut, 1959 erfolgte eine erste Restaurierung sowie die Rekonstruktion der fehlenden Zungenregister durch die Orgelbaufirma Oberlinger. Eine weitere Restaurierung erfolgte 1990, ebenfalls von Oberlinger. Förster & Nicolaus wurden 1997 mit der Überarbeitung der Keilbälge beauftragt. Über eine kleine Besonderheit verfügt die Armsheimer Stumm-Orgel: oberhalb des zweiten Manuals wurden im 19. Jahrhundert die Bilder der Lehrer, die gleichzeitig auch Organisten waren, in kunstvollen Eichenholzrahmen angebracht. (Text: Friedrich Georg Weimer und Edith Hein)

Orgelpositiv a schmall

Disposition der Armsheimer Stummorgel von 1739

Im HauptwerkIm RückpositivIm Pedal
Prinzipal 8'Hohlpfeif 8'Subbass 16'
Hohlpfeif 8'Prinzipal 4'
Oktave 4'Rohrflöte 4'
Gemshorn 4'Salvional 2' ab cl 4'
Flaut 4'Oktav 2'
Quint 3'Quint 1 1/2 ' ab cl 3'
Superaktav 2'Mixtur 1' 3fach
Terz 1 3/5Krummhorn 8'
Mixtur 1' 3fachVox humana 8'
Trompete 8' B/DTremulant
Tremulant
Manualumfang jeweils C,D-c3; Manualkoppel als Schiebekoppel
Pedalumfang C, D-c; Pedalkopple als Hauptwerk
Die Stimmung der Orgel ist einen halben Ton höher als der gebräuchliche Kammerton