Das Kirchenschiff

Das Kirchenschiff

Von einem Kirchenschiff aus der Gründungsphase der Bornheimer Kirche ist vermutlich nichts erhalten, es ist nicht einmal bekannt, ob anfangs ein solches existiert hatte und nicht allein der Turm als Versammlungsraum diente. Der Einbau des gotischen Chorbogens belegt dann, dass spätestens ab diesem Zeitpunkt ein Kirchenschiff existiert haben muss.
Seltsam ist die unsymmetrische Anordnung von Turm und Schiff, beide haben eine gemeinsame südliche Wand. Die nördliche Wand des Schiffes überragt den Turmgrundriss um einiges, man könnte beinahe annehmen, dass es hier später einmal verbreitert wurde. Dies könnte aber nur anhand von etwa erhaltenen Fundamenten nachgewiesen werden, was bisher nicht gelungen ist.

Zerstörung 1690 und Neubau von 1727

Wir können uns also heute kein genaues Bild mehr über das Aussehen vor der Zerstörung 1690 machen.
Trotzdem scheint der Neubau, der nach langen Verzögerungen etwa 1727 vollendet wurde, auf den alten Fundamenten errichtet worden zu sein. Beweise gibt es auf dem Dachboden: deutlich ist an der westlichen Außenwand des Turmes eine Grenze zwischen verputztem und unverputztem Mauerwerk zu bemerken. Man erkennt hier genau den Verlauf der Dachsparren des Vorgängerbaus.
Diese Linie zeigt, dass das ursprüngliche Dach eine geringere Neigung (ca. 45 Grad) hatte, der First war infolgedessen wesentlich niedriger und auch die Decke muss etwa einen Meter unter der heutigen gelegen haben. Die nördliche und südliche Seitenwand des Schiffes war dementsprechend auch etwas niedriger. Diese Putzgrenze an der Turmwand beweist auch, dass der Vorgängerbau die gleiche Breite wie der heutige hatte. Die Außenansicht der gesamten Kirche sah demnach vor 1690 etwas harmonischer aus, Schiff und Turm hatten etwa die gleiche Dachneigung, der Turm überragte das Kirchenschiff damals wesentlich mehr.
Um die Glocken im Turm zu erreichen, ist ein Durchgang vom Dachboden zum Glockengeschoss des Turmes vorhanden. Da die Decke des Kirchenschiffes vor 1790 wesentlich niedriger lag, konnte man ebenerdig vom Dachboden direkt auf die Gewölbekappe treten. Durch die höhere Decke des Neubaus von 1727 musste der Zugang zum Turm unten zugemauert werden. Beim genauen Hinsehen erkennt man diese Stelle noch im Kircheninnenraum über dem Triumphbogen an Putzunregelmäßigkeiten. Um auf dem Dachboden wieder die volle Durchgangshöhe zu erreichen, wurde diese Tür nach oben erweitert.
Die Dachkonstruktion des Turmes, kurz nach 1690 entstanden, besteht aus Eichenholz, beim Dachstuhl des Kirchenschiffes verwendete man Tanne oder Fichte was zur Folge hatte, dass Schäden durch Hausbockbefall entstanden sind. Die Konstruktion ist so ausgeführt, dass die relativ große Flachdecke in der Mitte an hängenden Balken gehalten wird. Damit hat man im Kircheninneren störende tragende Balken vermieden.

Das Schiff ohne wesentliche Änderungen seit 1727

Das Schiff der Bornheimer Kirche ist uns ohne wesentliche Änderungen erhalten, es musste aber in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts durch Einziehen eines Ringankers gesichert werden, da plötzlich starke Schäden durch Absenken der westlichen Giebelwand entstanden waren. (Text: Walter Schmitt, Bornheim)