
An diesem Pfeiler befand sich die Kanzel, da sich die Predigt
an die große Zahl der Gläubigen wandte und als
Wallfahrtspredigt an die Pilger. Die Kanzel gehörte
zur Gemeindehalle, nicht zum Chor, der war ein Raum der
Priester.

Nach der Reformation wurde die liturgische Trennung von
Chor und Kirchenschiffen aufgehoben. Der Hochaltar wurde
beseitigt, ein neuen Altartisch in die Mitte der Kirche
gestellt, auf den man von allen Seiten aus hinsehen konnte.
Daneben stellte man die Kanzel auf, damit man auf allen
Plätzen die Bibelauslegung hören konnte.

Von der alten Kanzel ist nur der Unterbau erhalten: Am Fuß
der Pfeilers halten Engel einen Wappenschild. Die Farbreste
zeigen, dass hier einmal eine Dornenkrone aufgemalt war.
Unterhalb der Kanzelbrüstung sieht man eine Folge von
Wappen mit Gegenständen, die in der Leidensgeschichte
Jesu erwähnt werden, den „Leidenswerkzeugen“.

Wie der Bildhauer hieß,
der die Kanzel schuf, wissen wir nicht. Vielleicht waren
es auch zwei Handwerker, denn es sind zwei Zeichen angebracht.
Die Inschrift daneben weist vermutlich auf den Propheten
Jesaja hin und auf dessen Weissagung vom Knecht Gottes.
|