
Nach Einführung der Reformation wurde ein Gestühl
eingebaut, dessen Bänke auf Altar und Kanzel ausgerichtet
sind. Darüberhinaus wurde eine Empore eingebaut, denn
man brauchte für die Sonntagsgottesdienste mit ihren
langen Predigten viele Sitzplätze. War es vor der Reformation
ein ständiges Kommen und Gehen gewesen bei den täglichen
Meßopfern am Hochaltar und den vielen an den einzelnen
Altären gelesenen Messen, so waren die Gottesdienste
nach der Reformation auf Sonntage und Predigttage konzentriert.
Da es für alle Einwohner eine Pflicht zum Besuch der
Predigten gab, kamen immer viele auf einmal in die Kirche.
Damit sich die Zuhörer recht auf die Predigt konzentrierten,
wurden Frauen und Männer, Verheiratete und Unverheiratete
getrennt gesetzt, auch der Kirchenvorstand bekam seine eigenen
Bänke - ebenso wie die Frau und die Kinder des Pfarrers.
Diese Trennung hat sich als Brauch bis ins 20. Jahrhundert
gehalten: die verheirateten Männer rechts und links
vom Altar und im Chor, die verheirateten Frauen im Kirchenschiff,
die unverheirateten Frauen in den Seitenschiffen daneben,
die unverheirateten Männer auf der Empore. Der Pfarrer
hatte seinen Platz in einer Art Holzlaube im Chor neben
der Kanzel, seine Familienangehörigen in einem gleichgestalteten
Kämmerchen gegenüber.
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